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Alt 09.11.2009, 22:34   #1
Anneke
Seltener Besucher
 
Registriert seit: 09.11.2009
Beiträge: 12
Unfall an Zebrastreifen.

Ich hatte heute ein schreckliches Erlebnis.
Bei dem trüben Novemberwetter für ich in normalem Tempo durch die Innenstadt.
Eine junge Frau überquerte gerade den Zebrastreifen, sie war schon auf halber Strecke, als ich sie plötzlich auf der Straße auftauchen sah.
Sie trug dunkle Kleidung - und ich muss auch einen Moment lang unanchtsam gewesen sein - jedenfalls reichte meine Vollbremsung nicht mehr aus, ich habe sie voll erwischt.
Ich bin ausgestiegen - und eine Frau, die den Unfall beobachtet hat rief den Notarzt, die Polizei kam natürlich auch bald dazu.
Der Polizist sagte zu mir, dass es ein verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung geben wird.
Ich weiß nicht, was das in dieser Situation für mich bedeuten kann.
Obwohl das Mädchen über die Kühlerhaube flog - und sogar mit dem Kopf gegen die Windschutzcheibe prallte (eine Beule und die zersplitterte Scheibe zeugen von der erschreckenden Wucht) - ist ihr außer Prellungen - glücklicher-glücklicherweise nichts zugestoßen. ich habe es gerade von der Mutter erfahren. Naja, und einen Schock haben wir beide.
Kann mir jemand sagen, welche Konsequenzen dieser Unfall für mich haben kann?
Vielen Dank für jeden guten Gedanken dazu.
Ich bin fix und fertig.
Anneke

Geändert von Anneke (09.11.2009 um 22:36 Uhr)
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Alt 10.11.2009, 08:01   #2
Spezi1980
Gehört hier zum Inventar...
 
Registriert seit: 01.08.2007
Ort: 28816 Stuhr-Varrel
Beiträge: 3.594
wie lange hast du schon den Führerschein ? Bist du noch in der Probezeit ? Bist du schon "vorbelastet" ?
__________________
Ich bin kein Jurist und bitte alle Beiträge auch so zu behandeln.
Bevor man hier einen Beitrag schreibt empfielt sich das Lesen der Nutzungsbedingungen
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Alt 10.11.2009, 08:15   #3
JotEs
Moderator
 
Registriert seit: 27.12.2004
Ort: Tornesch
Beiträge: 4.509
Hallo,
"Fahrlässige Körperverletzung" ist eine Straftat (§ 229 StGB). Die vorgesehene Strafe ist Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.
Bei fahrlässiger Körperverletzung im Zusammenhang mit einem Verkehrsunfall wird jedoch beinahe nie eine Freiheitsstrafe verhängt. In vielen Fällen wird das Verfahren auch ganz eingestellt.

Kommt es jedoch zu einer Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung, dann kommt es neben der zu erwartenden Geldstrafe zur Eintragung der Tat in das Verkehrszentralregister. Diese Eintragung wird mit 5 Punkten bewertet.Die Geldstrafe wird etwa 20-40 Tagessätze betragen. Ein Tagessatz ist ein dreißigstel des Monatsnettoeinkommens, wobei neben dem Einkommen aus Erwerbstätigkeit auch alle sonstigen Einkünfte des Täters, also auch Einkünfte aus Vermögen, Mieteinnahmen usw., zugrundegelegt werden können.

Mit einer Entziehung der Fahrerlaubnis (§ 69 StGB) muss hingegen nicht gerechnet werden, dazu wäre die Feststellung erforderlich, dass der Täter nicht zum Führen eines Kraftfahrzeuges geeignet ist. Das lässt sich aus einem solchen Unfall jedoch in aller Regel nicht herleiten.

Ein Fahrverbot von einem bis drei Monaten kann bei einer Verurteilung zwar durch das Gericht verhängt werden (§ 44 StGB), aber auch das wird hier wohl nicht geschehen, sofern nicht bereits (einschlägige oder viele) Voreintragungen in Flensburg vorhanden sind.

Kommt es nicht zu einer strafrechtlichen Verurteilung, dann wird die Sache an die Bußgeldbehörde zur Verfolgung der der Tat zugrunde liegende(n) Ordnungswidrigkeite(n) abgegeben.

JotEs
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Alt 10.11.2009, 09:12   #4
Anneke
Seltener Besucher
 
Registriert seit: 09.11.2009
Beiträge: 12
@Spezi: Ich habe den Führerschein seit 16 Jahren und fahre bislang unfallfrei,bin also nicht vorbelastet.

@JotEs: Ich danke dir herzlich für deine deatillierten Informationen.
Wie hoch kann den ein solches Bußgeld ausfallen? Ich kenne mich da nicht so aus, was bedeutet das mit den Tagessätzen? Wird der Betrag dann in Raten abbezahlt?

Danke, für die Antworten.
Ich bin froh, dass es vermutlich keinen Entzug der Fahrerlaubnis geben wird, da ich beruflich voll auf das Auto angewiesen bin.
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Alt 10.11.2009, 09:15   #5
Pareto_74
Gehört hier zum Inventar...
 
Registriert seit: 23.02.2002
Ort: Hamburg
Beiträge: 4.100
Zitat:
Zitat von Anneke
Ich kenne mich da nicht so aus, was bedeutet das mit den Tagessätzen? Wird der Betrag dann in Raten abbezahlt?
Das steht doch hier:
Zitat:
Zitat von JotEs
Die Geldstrafe wird etwa 20-40 Tagessätze betragen. Ein Tagessatz ist ein dreißigstel des Monatsnettoeinkommens, wobei neben dem Einkommen aus Erwerbstätigkeit auch alle sonstigen Einkünfte des Täters, also auch Einkünfte aus Vermögen, Mieteinnahmen usw., zugrundegelegt werden können.
Ratenzahlung wird i.d.R. auch gestattet.
Pareto_74 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2009, 09:31   #6
Anneke
Seltener Besucher
 
Registriert seit: 09.11.2009
Beiträge: 12
Ja, sorry, ich kenne mich auf dem Gebiet gar nicht aus.
Mir war halt nicht klar, was Tagessatz genau bedeuet.
Danke.
Anneke ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2009, 10:29   #7
Jens
Moderator
 
Registriert seit: 19.01.2007
Ort: Kiel
Beiträge: 4.008
Ein Tagessatz enspricht 1/30 des verfügbaren Netto-Monatseinkommens.

Falls das Strafverfahren eingestellt und an die Bußgeldstelle abgegeben wird, drohen 120 EUR Bußgeld und 4 Punkte.
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Alt 10.11.2009, 11:18   #8
Anneke
Seltener Besucher
 
Registriert seit: 09.11.2009
Beiträge: 12
Das würde dann also bedeuten, dass ich den Betrag der dann herauskommt (Monatsgehalt durch 30) 20 bis 40 mal entrichten muss?
Tut mir leid, dass ich so naiv frage, ich erleben sowas nicht jeden Tag.
Anneke ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2009, 11:44   #9
Jens
Moderator
 
Registriert seit: 19.01.2007
Ort: Kiel
Beiträge: 4.008
Zitat:
Zitat von Anneke Beitrag anzeigen
Das würde dann also bedeuten, dass ich den Betrag der dann herauskommt (Monatsgehalt durch 30) 20 bis 40 mal entrichten muss?
Ja
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Alt 10.11.2009, 12:22   #10
Anneke
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Beiträge: 12
Von welchen Faktoren mag es abhängen, ob das Verfahren ganz eingestellt wird - oder es zu einer Verhandlung kommt?
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Alt 10.11.2009, 15:12   #11
Faust
Moderator
 
Registriert seit: 07.05.2002
Beiträge: 5.896
Der Ausgang des Strafverfahrens wird primär von der Art und Schwere der Verletzungen der Fußgängerin und dem Gewicht der Sorgfaltspflichtverletzung des Kraftfahrers abhängen.

Das Anfahren einer Fußgängerin etwa mittig auf dem Überweg spricht für eine grobe Unaufmerksamkeit bzw. Nachlässigkeit der Kraftfahrerin.

Die Tatsache, dass die Fußgängerin immerhin bis zur Windschutzscheibe aufgeworfen wurde, spricht zudem für eine unangemessene Geschwindigkeit im Bereich des Fußgängerüberweges (Aufwurfweite deutet auf ca. 40 km/h - 60 km/h hin).

Mit einer strafrechtlichen Reaktion (Geldstrafe) ist hier durchaus zu rechnen.
Faust ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2009, 20:03   #12
Anneke
Seltener Besucher
 
Registriert seit: 09.11.2009
Beiträge: 12
Die Fußgängerin, ich habe sie eben im Krankenhaus besucht, ist zum Glück mit Prellungen davongekommen.
Der Zebrastreifen liegt auf einer Straße, auf die ich vorher gerade erst abgebogen war, so schnell hätte ich auf den wenigen Metern gar nicht beschleunigen können.
Ein Polizist hat zu mir gesagt, dass es eben auf jeden fahrlässige Körperverletzung ist - allein aufgrund der Tatsache, dass es an einem Zebrastreifen passierte. Die Frau trug zwar dunkle Kleidung, aber ich hätte sie trotzdem sehen müssen.
Könnte es zu einem Entzug der Fahrerlaubnis kommen?
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Alt 10.11.2009, 21:30   #13
Anneke
Seltener Besucher
 
Registriert seit: 09.11.2009
Beiträge: 12
Ich nehme es jetzt wie es kommt.
Diese Grübelei macht mich ganz verrückt, damit höre ich jetzt auf.
Ich werde tragen, was da auf mich zukommt, ich muss da jetzt einfach durch.
Ich hatte schon wahnsinnig viel Glück.
Ich bin so dankbar dafür, dass nicht mehr passiert ist, dass es der Frau bald wieder gut gehen wird.
Ich danke noch einmal herzlich für Eure Hinweise und Prognosen!
Anneke ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2009, 22:05   #14
Pogopuschel
Gehört hier zum Inventar...
 
Registriert seit: 10.12.2007
Beiträge: 685
Zitat:
Zitat von Anneke Beitrag anzeigen
Ein Polizist hat zu mir gesagt, dass es eben auf jeden fahrlässige Körperverletzung ist - allein aufgrund der Tatsache, dass es an einem Zebrastreifen passierte.
Es ist egal, ob das an einem Zebrastreifen oder mitten auf einer Straße passiert ist.
Eine fahrlässige Körperverletzung wäre es auch, wenn du irgendjemandem hinten rein fährst und derjenige ein bisschen Nackenschmerzen hat.

Zitat:
Zitat von Anneke Beitrag anzeigen
Könnte es zu einem Entzug der Fahrerlaubnis kommen?
Zitat:
Zitat von JotEs
Mit einer Entziehung der Fahrerlaubnis (§ 69 StGB) muss hingegen nicht gerechnet werden, dazu wäre die Feststellung erforderlich, dass der Täter nicht zum Führen eines Kraftfahrzeuges geeignet ist. Das lässt sich aus einem solchen Unfall jedoch in aller Regel nicht herleiten.
Pogopuschel ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 10.11.2009, 22:06   #15
Jens
Moderator
 
Registriert seit: 19.01.2007
Ort: Kiel
Beiträge: 4.008
Zitat:
Zitat von Anneke Beitrag anzeigen
Könnte es zu einem Entzug der Fahrerlaubnis kommen?
Theoretisch möglich, halte ich aber für sehr unwahrscheinlich.
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