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Alt 13.01.2008, 15:35   #1
hell-freezes-over
Gehört hier zum Inventar...
 
Registriert seit: 09.08.2004
Beiträge: 923
Verjährungsfristen

Hallo zusammen,
ich weiß schon mal, dass die regelmäßige Verjährungsfrist drei Jahre dauert. Präziseres habe ich aber nicht gefunden. Konkret es darum, dass ich gerade meine Unterlagen ausmiste und mich frage, ob diese regelmäßige Verjährungsfrist in der Tat für alles Vorliegende zutrifft. Wäre super, wenn mir einer von euch exakteres sagen könnte:

-Mietverträge
-Telefonverträge
-Kauf-/Verkaufverträge für Auto
-Alltägliche Rechnungen
-Kranken-, Unfall-, Haftpflicht-, Hausrat-, Kfz-Versicherung
-Unterlagen von regulierten Versicherungsfällen (bspw. Kfz, Haftpflicht etc.)
-Abrechnungen von Jobs
-Gekündigte Bankkonten und Kreditkarten

-Wie sieht es mit Kontoauszügen aus? Und: Müssen diese im Original vorleigen oder genügt PDF?

Wie immer: Vielen Dank!
hell-freezes-over ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 13.01.2008, 19:12   #2
Jermaine
Gehört hier zum Inventar...
 
Registriert seit: 23.01.2005
Ort: Berlin
Beiträge: 632
Also...

Erstmal ist entscheidend, ob die Ansprüche vor oder nach der Schuldrechtsreform im Jahre 2002 entstanden sind, denn danach richtet sich, ob die Verjährungsfristen des BGB a. F. oder des BGB n. F. anzuwenden sind.

Sofern das BGB in der aktuellen Fassung anzuwenden ist, darf ich folgende Antworten liefern:

Zitat:
Zitat von hell-freezes-over Beitrag anzeigen
-Mietverträge
Sofern es sich nicht um Nachzahlungsforderungen aus Nebenkosten handelt, gilt die dreijährige Verjährungsfrist. Die Nachzahlungsforderungen aus Nebenkosten sind binnen eines Jahres abzurechnen und unterliegen dann auch der dreijährigen Verjährungsfrist. Werden sie allerdings nicht binnen eines Jahres abgerechnet, kann bereits nach Ablauf eines Jahres kein Nachzahlungsanspruch durch den Vermieter mehr geltend gemacht werden.

Zitat:
Zitat von hell-freezes-over Beitrag anzeigen
-Telefonverträge
Es gilt die dreijährige Verjährungsfrist.

Zitat:
Zitat von hell-freezes-over Beitrag anzeigen
-Kauf-/Verkaufverträge für Auto
Auch hier gilt die dreijährige Frist mit der Ausnahme von Gewährleistungsansprüchen. Diese sind binnen zwei Jahren geltend zu machen.

Zitat:
Zitat von hell-freezes-over Beitrag anzeigen
-Alltägliche Rechnungen
Auch hier: 3 Jahre.

Zitat:
Zitat von hell-freezes-over Beitrag anzeigen
-Kranken-, Unfall-, Haftpflicht-, Hausrat-, Kfz-Versicherung
Auch hier: 3 Jahre.

Allerdings folgende Ausnahme: Ansprüche gegen die Versicherung und Schadensfälle sind unverzüglich (d. h. ohne schuldhaftes Zögern) anzuzeigen, da man sonst eine Obliegenheitsverletzung begeht und die Versicherung aus diesem Grunde leistungsfrei wird.

Und: Sollte die Versicherung die Regulierung eines Schadens ablehnen, wird sie dies regelmäßig unter Verweis auf die 6-Monats-Frist gem. VVG tun, was bedeutet, dass man innerhalb von sechs Monaten nach einer Regulierungsablehnung klagen muss, da die Versicherung ansonsten gem. VVG leistungsfrei wird.

Zitat:
Zitat von hell-freezes-over Beitrag anzeigen
-Unterlagen von regulierten Versicherungsfällen (bspw. Kfz, Haftpflicht etc.)
Auch hier könnte die Versicherung innerhalb der Verjährungsfristen (3 Jahre) Rückforderungen geltend machen. Von daher sollte man auch solche Korrespondenz vorsorglich drei Jahre aufheben.

Zitat:
Zitat von hell-freezes-over Beitrag anzeigen
-Abrechnungen von Jobs
Auch hier können Ansprüche drei Jahre lang geltend gemacht werden, wenn nicht tarif- oder arbeitsvertragliche Ausschlussfristen gelten. Allerdings sollte man gerade bei Lohnabrechnungen, sofern man Arbeitgeber ist, beachten, dass eine längere Aufbewahrung aus buchhalterischen Gründen vorgeschrieben ist.

Zitat:
Zitat von hell-freezes-over Beitrag anzeigen
-Gekündigte Bankkonten und Kreditkarten
Und wieder einmal: 3 Jahre.

Zitat:
Zitat von hell-freezes-over Beitrag anzeigen
-Wie sieht es mit Kontoauszügen aus? Und: Müssen diese im Original vorleigen oder genügt PDF?
Für den Privatgebrauch reichen PDF völlig aus. Interessant wird es bei Selbständigen, da manche Finanzämter PDF-Dateien erst nach einigem Trara (von wegen Manipulationsmöglichkeiten) akzeptieren.

Fragst Du als Privatperson oder als Selbständiger? Wenn letzteres zutrifft, gelten natürlich für solche Belege, welche für die Buchhaltung relevant sind, längere Aufbewahrungsfristen (m. W. n. grundsätzlich 10 Jahre).

In diesem Sinne...
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Glaube, Liebe und Hoffnung sind die Rüstung des Kriegers des Lichts. (Paulo Coelho)

Ich verwende bei der Anrede in Foren grundsätzlich das "Du" und habe auch selbst kein Problem damit, per "Du" im Forum angesprochen zu werden. Sollte jemand dennoch darauf bestehen, mit "Sie" angesprochen zu werden, habe ich nichts gegen eine kurze Nachricht an mich einzuwenden.
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Alt 13.01.2008, 22:35   #3
hell-freezes-over
Gehört hier zum Inventar...
 
Registriert seit: 09.08.2004
Beiträge: 923
Liebe(r) Jermaine: Vielen vielen Dank für die ausführliche Antwort!

Bzgl. Kontoauszug:

Zitat:
Zitat von Jermaine Beitrag anzeigen
Für den Privatgebrauch reichen PDF völlig aus.
Inwieweit "Privatgebrauch"? Mal rein theroretisch, ich muss nach zwei Jahren vor Gericht nachweisen, dass ich eine bestimmte Zahlung beglichen habe, wird PDF also nicht ausreichen?
hell-freezes-over ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.01.2008, 20:06   #4
Jermaine
Gehört hier zum Inventar...
 
Registriert seit: 23.01.2005
Ort: Berlin
Beiträge: 632
Also...

Mit "Privatgebrauch" meinte ich, dass diese insofern ausreichen, als man nicht als Selbständiger gegenüber dem Finanzamt buchführungspflichtig ist.

Denn manche Finanzämter haben sich etwas, wenn es darum geht, dass man Belege (Kontoauszüge, Rechnungen etc.) als PDF einreicht, weil man diese ja theoretisch manipulieren oder sich gleich selbst erstellen könnte.

Gegenüber dem Gericht reichen eigentlich PDF völlig aus, wenn es darum geht, eine Zahlung nachzuweisen.

Und sollte das wirklich einmal nicht der Fall sein, was ich allerdings noch nie in all den Jahren erlebt habe, sind die Banken behilflich, indem diese den Kontenverlauf in einem bestimmten Zeitraum ausdrucken können; habe das mal in einer Erbschaftssache gebraucht, wo gar keine Kontoauszüge mehr vorhanden waren.

Kostet zwar etwas, da es aber notwendige Kosten zur Rechtsverfolgung sein dürften, fallen diese bei Obsiegen ohnehin dem Gegner zur Last.

In diesem Sinne...
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Alt 14.01.2008, 22:39   #5
hell-freezes-over
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Beiträge: 923
Danke!
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